Die Kemenate in Orlamünde ist das einzige erhaltene Gebäude der ehemaligen Burg Orlamünde. Aus einer Urkunde aus dem Jahr 1194, der sogenannten Orlamünder Pfarrurkunde, die auf ältere Urkunden Bezug nimmt, geht hervor, dass Orlamünde vor 1067 im Besitz des Grafen Otto von Weimar war.

In seiner Regierungszeit dürfte die Kemenate schon vorhanden gewesen sein. Er verstarb ohne männliche Nachfahren.

Es setzten langwierige und komplizierte Erbstreitigkeiten um die Grafschaft Weimar – Orlamünde ein. Erst der Urenkel Hermann der Tochter des Grafen Otto von Weimar konnte seinen Anspruch auf die Grafschaft durchsetzen. Er nannte sich als erster wieder Graf von Orlamünde. Offenbar war in dieser Zeit wegen der Zerstörung der Burg Weimar die Orlamünder Burg Hauptsitz der Grafen geworden.

Unter dessen Sohn Siegfried (III), der seit 1181 mit der Dänischen Prinzessin Sophia verheiratet war, gelangte die Grafschaft durch Gütertausch mit Kaiser Friedrich (Barbarossa) zu einem großen geschlossenem Territorium und zu größter politischer Bedeutung. Da die Thüringer Landgrafen mit dem Tode Heinrich Raspes 1247 in männlicher Linie ausgestorben waren, wurden die Orlamünder Grafen zeitweilig zum mächtigsten Herrschergeschlecht in Thüringen.

In der darauf folgenden Zeit zerfiel die Herrschaft in mehrere Linien.

Die in Orlamünde ansässige Linie musste unter Graf Heinrich (IV) im Jahre 1344 ihre Gebietsteile wegen Überschuldung an den Landgrafen Friedrich übertragen. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Burg als Pfandobjekt an Landadlige ausgetan. Dabei verfiel sie zusehends, so dass nur noch die Kemenate als intaktes Bauwerk erhalten blieb. 

1426 wurden die Zinnen übermauert, ein Zeltdach aufgesetzt und die Balken aller Etagen verstärkt.

Vom 16.Jahrhundert bis 1840 diente die Kemenate als Speicher für Zinsgetreide.

Die übrigen Reste der Burg wurden zwecks Gewinnung von Steinen zum Bau des Rathauses, der Saalebrücken , für Wohngebäude etc. abgerissen.

Der Wohnturm ist 25 m lang, 12m breit, die Traufhöhe beträgt 20m. Es sind sechs Etagen vorhanden. In der untersten Etage befindet sich ein kleiner Raum für ca. 25 Personen und eine kleine Küche. In der zweiten Etage ist der Rittersaal mit Bühne (für ca. 80 Personen geeignet). In den anschließenden zwei Etagen befinden sich einige Ausstellungsstücke. Darüber ist ein kleines Heimatmuseum.

 

Der Orlamünder Burgverein hat seit 1997 die Kemenate von der Stadt gepachtet. In vielfältiger Weise versuchen wir das kulturelle Leben zu bereichern. In unregelmäßigen Abständen werden Kabarettabende, Theatervorstellungen, Ritteressen etc. angeboten. Jährliche Höhepunkt ist die Walpurgisnacht und das mittelalterliche Burgfest. Ab dem Frühsommer besteht alle zwei Wochen die Möglichkeit die Kemenate zwischen 14 und 17 Uhr zu besichtigen, aber auch zwischenzeitlich, nach telefonischer Anmeldung (siehe Kontakt) die Möglichkeit einer Besichtigung!

 

Link zur frühesten Darstellung der Burg Orlamünde auf der Ebstorfer Landkarte um 1250

Auf Bild 8 ist in der Vergrößerung sehr gut die Burg Orlamünde zu sehen.